Was sag ich bloß?

Oft sagen wir nichts, weil wir nicht wissen, was wir sagen sollen. Oder weil wir nicht wissen, wie wir etwas sagen sollen. Es fehlen uns schlicht die richtigen Worte.

 

Manchmal ist es ja einfach die beste Wahl, nichts zu sagen, statt etwas Unreflektiertes, absolut Unpassendes oder Banales von sich zu geben. Manchmal ist das Schweigen aber auch ein Fehler. Dann führt es zu Missverständnissen oder es ist schlicht unhöflich. Das Nicht-Sagen ist an sich also weder gut, noch schlecht. Es kommt auf die Situation an.

 

Wie man vermuten kann, kam mir dieses Thema, weil ich seit Wochen nicht weiß, worüber ich schreiben soll. In der momentanen Situation kann ich nicht einfach weiter meinen Blog schreiben, als ob nichts wäre. Weil es mir komisch vorkäme, irgendetwas zu schreiben, das gerade eigentlich völlig irrelevant ist. Weil gefühlt alles zum Thema "Pandemie-Kommunikation" & Co. in diversen Ausprägungen von zahllosen Menschen schon geschrieben, diskutiert und anderweitig kungetan wurde. Hier will ich nicht noch einen Artikel hinzufügen.

 

Deswegen geht es heute um gerade diese Situationen: Situationen, in denen man etwas sagen will oder sollte, aber nicht weiß, was und wie. Manchmal spürt man den Zwang, etwas zu sagen, etwas zu entgegnen und weiß nicht, wie. Oder was. Auf der einen Seite entsteht das Problem, weil wir etwas nicht wissen. Auf der anderen Seite ist aber genau das auch oft die Lösung. Einfach zu sagen, dass man nicht genau weiß, was man sagen soll oder wie man es sagen soll. Klingt zu theoretisch? Dann kommen hier zwei Beispiele:

 

Dem Vater eines Freundes geht es gesundheitlich sehr schlecht. Man will dem Freund beistehen, ihn wissen lassen, dass man für ihn da ist. Stattdessen schiebt man es hinaus, quält sich selbst, weil man nicht weiß, wie man es ausdrücken soll. Vielleicht weil es einem Angst macht, weil man unsicher ist, weil man den Freund nicht leiden sehen kann oder weil einem solche Situationen grundsätzlich viel Ungemach bereiten. Gründe gibt es sicher viele.

 

Dies ist aber eine Situation, in der das Schweigen verletzt und schlicht feige ist. Deswegen finde ich es wichtig, etwas zu sagen. Und zwar genau das, was man dazu empfindet: "Es tut mir so leid für Dich. Und ich wäre gerne für Dich da. Aber ich weiß überhaupt nicht, was ich sagen soll oder wie ich Dir helfen kann." Das ist mehr wert, als alles andere.

 

Ein anderes Beispiel, mit dem sich vermutlich fast jeder im Moment identifizieren kann: zur aktuellen Politik, den Impfungen, den Maßnahmen, dem Home-Schooling, etc. haben viele Menschen kontroverse Meinungen. Manchmal weiß man dann nicht so recht, was man da sagen soll, wenn einem Dinge zu Ohren kommen, die so gar nicht der eigenen Ansicht entsprechen. Schweigen kann man nicht. Zustimmen geht auch nicht. Den anderen vor den Kopf stoßen will man in der Regel aber auch nicht. Schon gar nicht, wenn man sich so lange nicht "live" gesehen hat. Vielleicht ist es auch hier das Beste, einfach zu sagen, dass man im Moment nicht so richtig weiß, was man dazu sagen soll.

 

Das fühlt sich nicht falsch an, ist genau das, was man gerade denkt und/oder fühlt. Es ist wahr und authentisch. Genau das, was wir in einer guten Kommunikation brauchen. Und die schafft man manchmal durch ein einfaches "Ich weiß einfach nicht, was oder wie ich das gerade sagen soll. ".